Unsere Pfarrei

Pfarrkirche Zermatt

Die St. Mauritius Pfarrei Zermatt zählt ca. 4500 Katholiken, was 80 % der Bevölkerung entspricht. Mehr als ein Drittel der Zermatter Bevölkerung sind Ausländer. Die Bevölkerung ist bunt gemischt. Einheimische, Angestellte und Gäste prägen das Bild. Die Angestellten stammen vor allem aus Portugal (rund 980 Personen), aus Deutschland (280), aus Italien (200) und aus dem ehemaligen Jugoslawien (280). Gab es in den 70er Jahren noch wenig fremdsprachige Kinder in der Schule, so haben jetzt mehr als 40 % der Schüler nicht mehr Deutsch als Muttersprache. Zudem geben die vielen Gäste dem Dorf einen speziellen Charakter.

Dieser besonderen Situation gilt es im Pfarreileben Rechnung zu tragen. So gibt es vereinzelt Gottesdienste, in denen die Kerngemeinde eine Minderheit bildet. Die Kroaten-, Italiener- und Portugiesenseelsorger halten eigens für ihre Landsleute Gottesdienste. Die Begegnung zwischen Gästen und Einheimischen sowie auch zwischen Einheimischen und Angestellten erfordert eine grosse Offenheit und Beweglichkeit. Sie kann eine Belastung bedeuten, eröffnet aber auch grosse Chancen.

Wir wollen Brücken zu anderen Menschen schlagen, eine einladende Gemeinde sein. Eine Gemeinde, die die Gäste nicht vereinnahmen will, die sie aber einlädt zu verweilen, zu beten und über die Werte in ihrem Leben nachzudenken. Gäste und Einheimische haben die Gelegenheit, sich gegenseitig Zeugnis vom Glauben zu geben und einander im Glauben zu stärken. Es soll etwas erfahrbar werden, was katholisch heisst: umfassend, offen auf die Gesamtkirche hingeordnet. Gäste und Gemeinde beschenken sich so gegenseitig, wenn sie sich als Glaubende wissen und ein gleiches Ziel haben, nämlich Gott zu dienen und sinnvolles Leben zu erfahren. So kann ein Stück weit religiöse Beheimatung über Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg erfahren und Verbindendes geschaffen werden.

Liste der Zermatter Pfarrherrn
seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts
1695 - 1738 Johann Willisch von Zermatt
1738 - 1749 Joh. Peter Zurbriggen von Saas
1750 - 1763 Joh. Martin Aufdenblatten von Zermatt
1763 - 1767 Joh. Baptist Rothermel von Elsass
1767 - 1780 Joh. Michael Biederbosten vom Goms
1780 - 1782 Joh. Peter Andenmatten von Visp
1782 - 1801 Joh. Christian Berthod aus St. Leonhard
1802 - 1812 Jakob Welschen von Zermatt
1812 - 1839 Ignaz Gottsponer von Visperterminen
1839 - 1845 Moritz Tscheinen von Naters
1845 - 1865 Josef Ruden von Zermatt
1865 - 1881 Mathias Welschen von Zermatt
1881 - 1882 Josef Ruden von Zermatt
1882 - 1891 Jakob Bürcher von Fiesch
1891 - 1905 Benedikt Zurbriggen von Saas-Grund
1905 - 1928 Johann Bittel von Fiesch
1928 - 1957 Gregor Brantschen von Randa und Zermatt
1957 - 1964 Franz Fux von Siders
1964 - 1978 Edmund Lehner von Bürchen
1978 - 1985 Eduard Imhof von Grengiols
1985 - 2003 Gervas Studer von Visperterminen
seit 2003 Stefan Roth von Wiler

Geschichtliches

Zermatt ist nach Visp und St. Niklaus die älteste Pfarrei des Dekanates. 1280 ist zum ersten Mal von einem Pfarrer die Rede: Walterus, curatus de Pratoborno, trat als Zeuge auf bei einem Landverkauf in Findeln. Trotzdem können wir daraus nicht mit Sicherheit schliessen, dass Zermatt schon damals eine selbständige Pfarrei war, vielmehr blieb sie mehrere Jahrhunderte lang eine Tochterpfarrei von St. Niklaus. 1428 jedoch erwähnte Papst Martin V in einem Schreiben betreffend die Abgaben, welche die Pfründeninhaber an Rom zu entrichten hatten, Pratobornum (Zermatt) neben Vespia (Visp) und Chauson (St. Niklaus) als eine der drei Pfarreien des Tales. Aber auch nach der Lostrennung behielt Zermatt immer noch eine gewisse Abhängigkeit von der Mutterpfarrei, schuldeten doch die Zermatter dem Pfarrer von St. Niklaus den doppelten Viehzehnten und den Getreidezehnten. Von diesen Verpflichtungen kauften sie sich im 16. Jahrhundert los.

Mit dem oben erwähnten Walter von Pratoborni beginnt auch die Liste der Pfarrherrn, die vorerst noch lückenhaft ist. Der heutige Pfarrer Stefan Roth wäre demzufolge der 57. Kilchherr von Zermatt.

In Zermatt waren schon im späten Mittelalter Kapläne oder Altaristen als Seelsorger tätig. Die Kaplaneipfründe wurde 1716 von Jakob Perren mit einer Gabe von 440 Mörserpfund ermöglicht. Seit dieser Zeit wirkten in Zermatt 45 Kapläne oder Vikare. Das ehemalige Kaplaneihaus, erbaut 1730, beherbergt heute die Gemeindebibliothek.

Patron der Pfarrei Zermatt ist der hl. Mauritius

Statue des hl. Mauritius in der Pfarrkirche Zermatt

Der hl. Mauritius stammte aus Theben, einer Stadt in Ägypten. Unter Kaiser Diokletian und dem mitregierenden Maximian hatten die Christen vieles zu erdulden. Eines Tages wurden alle jungen Männer von Theben aufgefordert, zu Ehren des Kaisers und seines grossen Reiches eine Thebäische Legion zu bilden und in den Krieg zu ziehen. Auf Befehl des Kaisers ritten die Thebäer von Rom Richtung Norden, überquerten den heutigen Pass des Grossen St. Bernhard und hatten ihr Lager in Agaunum, dem heutigen Saint-Maurice.

Maximian verlangte von den Soldaten den absoluten Gehorsam gegenüber dem Kaiser und erwartete die Verehrung der römischen Götter. Die Soldaten der Thebäischen Legion gehorchten zwar den Befehlen des Kaisers, waren aber als Christen nicht bereit, den römischen Göttern zu opfern. Ihr Ungehorsam wurde mit der Enthauptung eines jeden zehnten Mann der Legion bestraft. Mit dieser furchtbaren Hinrichtung glaubte Maximian, den Thebäern genug Schrecken eingejagt zu haben, so dass er nun den anderen seinen Willen aufzwingen könne. Da dem nicht so war, wurde ein zweites Mal jeder zehnte Mann enthauptet. Auch weitere Versuche, die Thebäer dem Willen des Kaisers zu unterwerfen, scheiterten. Der Kaiser, ausser sich vor Zorn, befahl nun die Hinrichtung aller Legionäre. Mauritius, der Kommandeur der Thebäischen Legion, starb als letzter am 22. September, um 290.

Mauritius und seine Gefährten werden Soldaten Christi genannt. Am Fusse der Felswand in Agaunum wurden sie begraben. Dort erhebt sich heute ein Kloster mit sehenswerter Basilika. Agaunum wurde zum heutigen Pilgerort Saint-Maurice.